Machen wir uns nichts vor: Wir alle nutzen KI. Sie schreibt uns Mails um, sortiert Excel-Listen oder hilft uns über die gefürchtete Schreibblockade hinweg. Auch im Community-Management ist die Versuchung riesig. Warum stundenlang händisch auf 200 Google-Rezensionen oder Insta-Kommentare antworten, wenn ein smarter Bot das in drei Sekunden erledigen kann?
Aber genau hier liegt die Falle. Andrea Laub hat im medianet-Talk einen Begriff geprägt, der den Nagel auf den Kopf trifft: der „Low-Effort“-Verdacht.
User und Community-Mitglieder haben im Jahr 2026 extrem feine Antennen entwickelt. Wir spüren instinktiv, ob sich am anderen Ende des Bildschirms ein echter Mensch kurz Zeit für uns genommen hat – oder ob da nur eine leblose Textmaschine lieblos drübergerutscht ist. Wenn eine Community merkt, dass sie mit einem Bot abgespeist wird, passiert das Schlimmste, was uns passieren kann: Sie kühlt aus. Die Leute hören auf zu interagieren. Denn wer schüttet schon einer Maschine sein Herz aus?
Das Handwerk hinter dem Screen (Und warum es tägliche Präsenz braucht)
Ein wichtiger Fakt, den Andrea Laub gleich zu Beginn des Interviews klarstellt: Communitymanagement ist nicht einfach Social-Media-Management, das man mal eben so nebenbei „mitmacht“. Es ist ein eigenständiges Handwerk und ein echtes Stimmungsbarometer für Marken und Institutionen.
Warum dieser Aufwand? Weil echte Interaktion emotional ist. Und genau da stößt die KI an ihre Grenzen.
Wo die KI glänzt – und wo sie gefährlich wird
Versteht mich nicht falsch: Ich will die KI hier keineswegs verteufeln. Im Interview wird wunderbar aufgedröselt, wo die Maschine ein genialer Kollege ist:
Die Fleißaufgabe: Bei riesigen Mengen an gleichförmigen Plattform-Bewertungen oder zur Sentiment-Analyse (um die allgemeine Stimmung im Netz zu filtern) ist KI ein Traum.
Das Sparring: Wenn das Team seit Jahren für denselben Kunden arbeitet und die Betriebsblindheit kickt, ist KI perfekt, um neue Text-Varianten zu würfeln und das Gehirn durchzupusten.
Aber – und das ist das große Aber: Die KI besitzt keine emotionale Intelligenz. Ironie, Sarkasmus oder feine Tonalitätswechsel versteht sie schlichtweg nicht.
Stellt euch vor, ein User postet einen tief sarkastischen Kommentar unter ein Posting. Die KI checkt die Ironie nicht und ballert eine super-optimistische Standard-Antwort darunter. Der Fail ist perfekt, der Shitstorm vorprogrammiert. Andrea Laub stellt im Video klar: „In der Krise ist die Maschine höchstens das Radar – aber niemals der Pilot“. Krisenkommunikation braucht Empathie und Kontextwissen. Das bleibt zu 100 % Chefsache des Menschen.
Also ... Das Handwerk feiert ein Comeback!
Je mehr automatisierter Einheitsbrei das Internet flutet, desto stärker wird echtes Handwerk zum absoluten Differenzierungsmerkmal.
Gutes Communitymanagement bedeutet, zuzuhören, Haltung zu zeigen und den Menschen das Gefühl zu geben: „Ich sehe dich. Du wirst von einem echten Menschen gehört.“ Die KI darf uns im Hintergrund gerne den Rücken freihalten, indem sie Daten sortiert – aber das Tippen, das Mitfühlen und das echte Gespräch auf Augenhöhe? Das lassen wir uns nicht nehmen.
Wer das ganze, super spannende Interview in voller Länge sehen möchte (es lohnt sich wirklich!), findet das Video direkt hier bei medianetTV.
Wie siehst du das? Hast du im Netz auch schon mal eine Antwort bekommen, bei der du dir gedacht hast: „Hier hat doch nur ein Bot geantwortet“? Schreib mir hier oder lies hier mehr über meine Gschicht‘ nach!